"Das schönste
Rauschen der Rockgeschichte" ist Legende

In Rußland muß man B. Grebentschikow nicht erst
vorstellen. Der Sänger, Poet, Musiker und Leiter der legendären
Band "Aquarium" ist in seiner Heimat als "BG"
bestens bekannt. Wer hierzulande mit dem Namen nicht gleich
etwas verbindet, der sei an das Album "Radio Silence"
(fast komplett in englischer Sprache) erinnert, das Boris Grebentschikow
vor Jahren bei CBS veröffentlichte, produziert von Dave
Stewart. Während die einen die Heimat-Kultur des Autors
in den Stücken vermissten, spürten andere regelrecht
den "russischen Geist" in seinen Liedern. BGs Episoden
im Westen bescherten ihm Treffen mit Popgrößen wie
George Harrison, Lou Reed und David Bowie. |
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Westliche Einflüsse auf seine Musik stammen
jedoch von einer anderen westlichen Kultfigur: Bob Dylan hinterließ
unverkennbar seine Spuren auf BGs Musikpfad: BG taucht 1987
in der Ära von Glasnost und Perestroika urplötzlich
aus dem Nichts auf der Titelseite der New Yorker Times als Weltstar
auf. US-Platten-Gigant CBS hatte den Sänger und Begründer
der russischen Musik-kommune "Aquarium" gleich für
10 Produktionen unter Vertrag genommen. Doch "Radio Silence"
bleibt das einzige Album, denn BG wird vertragsbrüchig
und zieht sich in die russische Hauptstadt des Rock'n'Roll zurück.
Er habe "keine Lust, nach Berufsverbot und permanenter
Verfolgung als 'Staatsfeind' der UdSSR im Untergrund jetzt als
Schlageraffe westliche Stereotypen zu bedienen wie 'Sänger
mit der Stimme von Bob Dylan und dem Aussehen von Clint Eastwood'
Oder 'singender Dostojewski' Oder 'Vater des russischen Rock'."
Bis 1986 hatte der damals 33jährige Abgott seiner russischen
Fans 15 Alben (bzw. Kassetten) im Untergrund-Vertrieb herausgebracht,
bis der sowjetische Staatskonzern Melodija eine erste Platte
produzierte. Nach dem Festival 1980 im georgisch-kaukasischen
Tiflis verloren die Musiker ihre Jobs und jede Aussicht auf
Karriere. |
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BG als wissenschaftlicher Assistent für Soziologie
an der Uni in Leningrad war fortan Nachtwächter, Westliche
Vorbilder hatte BG auch im Kopf, als er 1972 die Musikkommune
a la "Grateful Dead" gründete. Musik und Musiker
"Aquarium" entwickelte sich als experimentier- freudige
Band,was sich auch in der Besetzung widerspiegelt: neben Gitarren
sind Cello, Querflöte, Schlagzeug, Fagott und natürlich
das Bajan-Akkordeon ihr Markenzeichen. Rüder Slang, östliche
Philosophie, absurdes Theater, die Poesie der russischen Avantgarde
und ethnische Spezialitäten bilden keinen Brei sondern
überraschende Kompositionen.
Schöner altmodischer Rock, Funk und Ska, Folk-Barock und
Jazz (Einfluß von Tscherkassin, Kurjochin) sind wichtige
Elements, die sich mit Zitaten der sowjetischen und russischen
Wirklichkeit überzeugend verbinden lassen bzw. ließen.
24 Alben haben die Musiker (in wechselnder Besetzung) vorzuweisen.
BG hat außerdem 1981 den legendären Leningrader Rock-Klub
gegründet, drei Filme gedreht und sich auch als Schriftsteller
einen Namen gemacht. In Deutschland wird es zwei Konzerte geben:
Am 9. Juni in der Jovel-Music-Hall in Münster und am 14.
Juni (Open Air) in Ahlen. ...zurück
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